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Leben

Baustelle in Wernigerode: Parkplatznot und Knöllchenflut

Die Sperrung der Westerntor-Kreuzung in Wernigerode sorgt für Parkplatznot und das Unverständnis der Anwohner. Eltern berichten von Problemen und vermeidbaren Knöllchen.

Tobias Weber13. Juni 20263 Min. Lesezeit

Es war ein grauer Dienstagmorgen, als ich mit einem leichten Gefühl der Vorahnung die Westerntor-Kreuzung in Wernigerode ansteuerte. Schon seit Wochen war in der Zeitung darüber berichtet worden, dass diese zentrale Verkehrsader gesperrt werden würde – eine Tatsache, die sich für viele Anwohner wie ein unausweichliches Unheil anfühlte. Manchmal frage ich mich, inwieweit wir uns an die Absurditäten des urbanen Lebens gewöhnt haben. Gestautes Verkehrsaufkommen, Parkplatznot und das allseits gefürchtete Knöllchen – es schien, als ob die Verkehrswende hier mit einem großen, müden Seufzer eingehalten wurde.

Die Westerntor-Kreuzung, ein Ort, an dem sich Kinder auf den Weg zur Schule machen und Eltern hastig versuchen, ihre Besorgungen zu erledigen, war nun in eine Baustelle verwandelt worden. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Gespräche über die langwierigen Planungen sich in den Rathaussälen ähnlich zäh wie der Verkehr bewegt haben müssen. Das Resultat: Ein schockierendes Chaos, das selbst hartgesottene Wernigeröder in die Knie zwingt. Die Parkplatznot ist zwar nicht neu, aber in dieser Zeit wird sie zum Gefühl von fortwährender Unsicherheit.

Die Verwirrung ist dabei nicht nur auf den Verkehr beschränkt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass selbst die Schilder an den Straßenanfängen ein Eigenleben führen. Inmitten der Baustelle kämpften Eltern darum, einen Parkplatz zu finden, den sie für den schnellen Sprung zum Kindergarten oder zur Schule benötigten. Ein Kräftemessen zwischen dem Drang nach zeitlicher Effizienz und dem Schicksal, das über einen Parkplatz entscheiden muss. Und als ob das alles nicht genug wäre, scheinen sich die städtischen Ordnungshüter geradezu darauf zu spezialisiert haben, ihre Aufmerksamkeit auf die unglücklichen Autofahrer zu richten, die in der Hoffnung, ihren Nachwuchs rechtzeitig abzuholen, einfach mal zu nah an einer Einfahrt parkten.

„Ich habe in diesem Jahr drei Knöllchen erhalten“, sagte mir eine Mutter, die mit dem Verweis auf das leidige Thema in einem Quasi-Debattierclub über die Widrigkeiten des Parkens aufwartete. „Es ist nicht so, dass ich nicht versuche, die Regeln zu befolgen, aber manchmal ist das einfach unmöglich!“ Ihre augenzwinkernde Haltung konnte dennoch nicht verbergen, dass die Frustration trotz der leichten Komik einer solchen Situation längst überhand genommen hatte. Es ist einfach schwer, einen Parkplatz in einer Stadt zu finden, die gerade einem mittleren Baustellencheck unterzogen wurde.

Die Mischung aus Bedauern und Unverständnis, die über den Gesichtern vieler Menschen zu lesen war, sprach Bände. Die Anzeichen von Stress waren eindeutig; der Versuch, beim Abholen nicht zu spät zu kommen, während man gleichzeitig die Staus und Umleitungen ignorieren musste, hatte die allgemeine Stimmung in der Stadt merklich verdüstert.

Vor einigen Tagen sah ich einen Vater, der mit seinen beiden Kindern im Schlepptau auf der Seite der Straße stand, unentschlossen und sichtlich genervt. "Ich könnte schwören, dass es hier erst gestern einen Parkplatz gab!" rief er frustriert. Der kleine Junge zog zögernd an der Hand seines Vaters, während die Tochter den Kopf schüttelte und schlicht verkündete: "Dann sollten wir wohl die U-Bahn nehmen!" Eine kindliche Lösung, die in der Tat sehr viel rationaler klang, als ich in diesem Moment gedacht hätte. Es waren genau diese kleinen Begebenheiten, die den Nebel aus Verwirrung und Ärger durchbrachen und einen Lächeln hervorriefen – auch wenn die Realität der Parkplatzsituation alles andere als rosig war.

Die erhöhte Zahl an Knöllchen hat dazu geführt, dass das Thema nicht nur in den Straßen, sondern auch in den sozialen Medien heiß diskutiert wird. Man könnte fast meinen, die Stadtverwaltung hätte mit einer geheimen Kampagne zur Geldbeschaffung gestartet. Der Unmut ist in den Online-Foren, die WernigeröderInnen untereinander pflegen, jederzeit nachzulesen. Man redet über die vermeidbaren Bußgelder, während die Baustellencrews zum vermeintlichen Fortschritt des öffentlichen Verkehrs ansetzen.

Was die Baustelle in der Westerntor-Kreuzung angeht, so ist der Humor, der manchmal die Anspannung auflockert, nicht immer vorhanden. Der nächste Winter steht vor der Tür, und ich frage mich, ob die Hälfte der Verkehrsteilnehmer nicht bereits genug von den wöchentlichen Ankündigungen hat. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass inmitten des drohenden Verkehrschaos etwas Positives entsteht. Vielleicht wird die Stadt eines Tages ein wenig mehr Platz für uns alle schaffen, und dann könnten wir tatsächlich die Leichtigkeit des Seins wiederentdecken.

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